Parlamentarischer Abend

Gemeinsam Lösungen für wachsende Herausforderungen in der Zahn- und Mundgesundheit finden

Das Forum Zahn- und Mundgesundheit Deutschland fordert eine stärkere Zusammenarbeit für einen lebenslangen Präventionsansatz

Gründungsmitglieder und Schirmherren

Das Forum Zahn- und Mundgesundheit Deutschland startete am 18. März 2014 mit einem Parlamentarischen Abend in die neue Legislaturperiode. Rund 50 Vertreter aus Politik, Fachverbänden, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten darüber, wie die Zahn- und Mundgesundheit aller Menschen in Deutschland verbessert werden kann. Denn auch wenn Deutschland im europäischen Vergleich relativ gut dasteht, sind hierzulande noch immer unnötig viele Menschen von oralen Krankheiten betroffen. Besonders gravierend ist die schlechte Zahn- und Mundgesundheit bei Risikogruppen wie ökonomisch Schwachen, Migranten, Senioren und Menschen mit Behinderung.

„Wir müssen gemeinsam die wachsenden Herausforderungen in der Zahn- und Mundgesundheit annehmen und an einem ganzheitlichen, fachübergreifenden und lebenslangen Präventionsansatz arbeiten – vom Milchgebiss bis ins hohe Alter“, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vorsitzender des Forums und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, in seiner Rede. „Deutschland sollte eine Vorreiterrolle bei der Verbesserung oraler Krankheiten einnehmen, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.“ Denn weniger als ein Prozent aller Erwachsenen in Deutschland hat ein kariesfreies Gebiss.1 80 Prozent der über 35-Jährigen sind von Entzündungen von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat betroffen.2 Die Folge sind oft langwierige und kostenintensive Behandlungen sowie eine sinkende Lebensqualität der Betroffenen.

Ein gesunder Mundraum ist nicht nur essenziell, um die Lebensfreude im Alltag zu bewahren. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Orale Erkrankungen können sich negativ auf die Gesamtgesundheit auswirken. Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), erklärte: „Studien zeigen, dass Ursachen auch Folgen sein können. So gilt zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes als belegt. Deshalb muss sich eine wirksame Prävention auf die Überschneidungen von Zahn- und Humanmedizin fokussieren. Nur gemeinsam lassen sich die Rahmenbedingungen schaffen, um die Zahn- und Mundgesundheit aller Menschen in Deutschland nachhaltig zu verbessern.“

Mehr Austausch zwischen den Akteuren In der politischen Debatte findet das Thema Zahn- und Mundgesundheit trotz seiner hohen Relevanz für das Gesundheitssystem noch zu wenig Beachtung. Das Forum Zahn- und Mundgesundheit Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, hierzu den Austausch zwischen Politik, Fachverbänden, Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern. Nach der gestrigen Auftaktveranstaltung zur neuen Legislaturperiode werden Mitglieder und interessierte Gäste im Laufe des Jahres in weiteren, regelmäßigen Arbeitssitzungen in Berlin über verschiedene Themen diskutieren, beispielsweise Parodontitis-Prävention sowie Zahngesundheit im Übergang zum Erwachsenenalter – Risiken nach dem Ende der Gruppen- und Individualprophylaxe. Ziel ist es dabei, Empfehlungen für ein ganzheitliches Präventionskonzept zu erarbeiten und geeignete Pilotprojekte zu unterstützen.

„Mit unserem Engagement übertragen wir die Ziele der Better Oral Health European Platform auf Deutschland und passen die Aktivitäten den Erfordernissen hierzulande an“, erläuterte Prof. Dr. Stefan Zimmer, Gründungsmitglied des Forums und Leiter des Lehrstuhls für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke. „Ein wesentliches Anliegen ist die Bekämpfung der ungleichen Verteilung von Erkrankungen der Mundhöhle in Europa – nicht nur zwischen den Staaten, sondern vor allem auch innerstaatlich als Folge sozialer Ungleichheiten.“

Überproportional häufig leiden Risikogruppen unter oralen Krankheiten: Kleinkinder, Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen, Migranten, Senioren und Menschen mit Behinderung. Dies zeigt auch, dass die Zahn- und Mundgesundheit eine Querschnittsaufgabe ist. Gefragt ist die Gesundheits- und Sozialpolitik ebenso wie die Familien-, Senioren-, Behinderten- und Integrationspolitik. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Politik, Medizin, Wissenschaft und Industrie eng zusammenarbeiten, um effektive Lösungen zu finden. Das Forum Zahn- und Mundgesundheit Deutschland bietet dafür eine hervorragende Plattform.

Kurzfassung Rede Prof. Dr. Stefan Zimmer

Kurzfassung Rede Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke

Kurzfassung Rede Prof. Dr. Dietmar Oesterreich

1 Robert-Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 47: Mundgesundheit, 2009.

2 Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung/Bundeszahnärztekammer, Deutsche Mundgesundheitsstudie IV, 2008.